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9/15 Punkten

von Andreas Schiffmann

ACT OF CREATION boten schon auf dem Vorgänger "Endstation" deutschsprachigen Melodic Death bis Thrash Metal (das Debüt war noch konventionell Englisch gehalten) und haben ihren Stil auf diesem neuen Album ein Stück weiter verfeinert, ohne sich von den Konventionen ihres Genres freizuspielen. Das Songwriting bleibt auf der Grundlage einer gehobenen Spielkultur leicht überdurchschnittlich, sodass Szenegänger - so viel vorab - zwei Ohren riskieren dürfen.

Gleichwohl: Im nationalen Underground werden ACT OF CREATION weiterhin ein Thema für Spezialisten bleiben - großer Vertrieb hin oder her -, denn muttersprachliche Lyrik, die bisweilen noch dazu leicht gespreizt anmutet, ist nicht jedermanns Sache. Darüber kann man teilweise auch nicht hinwegsehen, da die Texte einen hohen Stellenwert einnehmen (löblicherweise wohlgemerkt) und gerade im Rahmen typisch thrashiger Gröl-Chöre ausgesprochen präsent "nach vorne geholt" werden.

Darüber hinaus zeigt sich die Fraktion Gitarre solo-freudig ("Ein kleines Dankeschön" und "Erde brennt" als griffigste Tracks der Platte), während stilistich im Grunde das maximal Mögliche ausgeschöpft wird, ohne sich über Grenzen hinwegzusetzen. So ist etwa "Tagtraum" eine fast waschechte BOLT-THROWER-Walze, während "Geist" dramatische Gemüter bedient und das kurze, mechanische "Daemon" mit CANNIBAL-CORPSE-Tremolo aufwartet. ACT OF CREATION wissen, was sie möchten, und haben ihre Hausaufgaben definitiv gemacht.

Wer Wert darauf legt, dass eine Band Liebe zu ihrem Stil bekundet, bevor sie sich als eigene Marke etablieren möchte, wird Gefallen an den Jungs finden, und selbst Freunde des Metalcore - die Platte zeichnet sich durch eine knallige Produktion und ein paar satte Grooves aus, ohne dass ACT OF CREATION zwanghaft auf "Moderne" schielen - könnten sich für sie erwärmen.

An zwingenden Hooks und vordergründigen Melodien mangelt es allerdings abgesehen vom Treiber "Niemand" mit seinem prägnanten Motiv und dem hämmernden "Ewiger Frieden". Nicht-Hardliner (wie dieser Schreiber) fühlen sich speziell zum Ende hin leicht erschlagen, weil ACT OF CREATION an Dynamik missen lassen.

FAZIT: Gutes Album aus dem Thrash-Death-Nimbus, eingereicht von sympathischen Musikern und Szene-Originalen, die wissen, was sie tun - und damit auch ein klein wenig vom ausgetretenen Genre-Pfad abweichen, zumindest was ihre Texte betrifft. Die dürftige optische Gestaltung - das sei nebenbei bemerkt - stößt den Rezensenten eher ab.