Nocturnal Hall

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8/10 Punkten

von Dajana

Obwohl uns unsere Muttersprache in fast allen Lebenslagen am liebsten ist, hört und fühlt sich diese, im Falle der deutsch gesungenen Death Metal Texte von ACT OF CREATION, doch irgendwie seltsam an. Keineswegs schlecht, aber sperrig, ungewohnt und unbequem. Doch gerade dieses Paradoxon macht ACT OF CREATION auch wieder interessant und hebt die Band aus der breiten Masse heraus, wenn vermutlich auch nur am Rande des Genres. Thion ist nach 6-jähriger Pause das dritte Album der Hessen und führt den auf dem Zweitwerk Endstation eingeschlagenen Weg konsequent fort. Thion ist ein stilistisch sehr abwechslungsreiches und facettenreiches Album geworden, pendelt zwischen der Stakkato-Riff-lastigen Moderne bis hin zu den klassischen Death Metal Walzen der Marke Cannibal Corpse und Co. Es gibt vielerlei Einflüsse, Anleihen, Dynamiken und Tempi-Wechsel. Thion ist technisch anspruchsvoll, Gitarrensolo-freudig, aber nie zu überladen oder zu vertrackt - sicherlich aber auch kein Album zum nebenbei hören. ACT OF CREATION schöpfen quasi das gesamte Spektrum des Genres aus, gehen allerdings aber auch nie darüber hinaus. Der Opener Tagtraum erinnert, zusammen mit dem Gesang, manchmal an Rob Zombie, enthält aber auch einen unvermuteten Akustikpart, während Geist und 13 Tage zum Beispiel klassisch groovende Nackenbrecher sind. Hier mag ich die Gitarrenläufe sehr. Aber ACT OF CREATION können auch schnell, progressiv und kratzen dezent am Djent. Der Gesang ist gleichermaßen abwechslungsreich, rangiert von keifenden Gekreische, über Grölen bis hin zu gutturalen Tiefen. Gleich zwei Sänger machen es möglich. Thion ist aber nicht nur musikalisch ein Glanzstück, sondern auch inhaltlich. Die Texte spielen bei ACT OF CREATION eine große Rolle und folgen einem übergreifenden Konzept. War es auf dem Zweitwerk noch der „Tod“, sind es auf Thion die Dämonen des täglichen Lebens.

Thion ist ein faszinierendes Album. Aber man muss sich dieses Album auch erarbeiten. Es bedarf so mancher Durchläufe, bis man sich an die Sprache gewöhnt hat. Aber dann macht es Spaß, Text und Musik in Einklang zu bringen oder musikalische Details zu entdecken. Bleibt die Frage, ob sich diese Faszination auch auf die breite Masse der Death Metal Fans übertragen lässt, oder ob ACT OF CREATION eher der kleinen Gemeinde der Death Metal Nerds und Connaisseure vorbehalten bleiben.