Rocktimes

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von Andrea Groh

»-Willkommen in der Schattenwelt-Lieber Leser, bist du bereit für eine Reise durch unsere Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft? Dann lies weiter…
Aus der Asche der Melodic Death/Thrasher E605 geformt, verdunkeln wir seit 2007 mit Act Of Creation die Metal Welt«

… so fängt das Info zu "Thion" von Act Of Creation an - und ich muss zugeben, mit so etwas sammeln Bands bei mir sofort Bonuspunkte. Es wird weiter erklärt, dass es von E 605 drei CDs gab, die wiederum von drei von Act Of Creation gefolgt wurden, wobei jede davon stets ein übergreifendes Konzept verfolgte. "Secret Memories Of A Forced Fate" von 2007 erzählte eine fiktive Geschichte, "Endstation" (2011) befasste sich mit dem Tod. Auf der aktuellen "Thion" geht es darum, dass die Dämonen des Lebens dazu zwingen, vor der Realität in eine eigene Gedankenwelt zu flüchten, nach "Thion", wobei die Bedeutung des Begriffs stellenweise auch leicht abgeändert verwendet wird.

Musikalisch werden die (seit "Endstation" komplett in Deutsch gehaltenen) Texte in Death/Thrash Metal gepackt. Wobei ich diese von der Band gewählte Einstufung etwas abändern würde in Melodic Death Metal mit einer gewissen Dosis Thrash dabei. Neben Uptempo-Parts wird immer wieder die Bremse gezogen, schleppende und/oder melodische Momente eingebaut. Das lockert die Sache angenehm auf und gerade diese Stellen finde ich gut. Für die ich-will-immer-voll-auf-die-12-Fraktion ist es vielleicht sogar ein wenig viel des Guten, aber passt sehr gut zu einer Scheibe, die einen gewissen inhaltlichen Anspruch erhebt. Obwohl sich auch ein paar Standard-MeloDeath-Riffs eingeschlichen haben, gibt es einige interessante Ideen und Strukturen.

"Thion" soll nicht einfach nur nebenher gehört werden, will nicht nur Hintergrundgeballer sein, obwohl die CD auch dafür (mit Abstrichen) geeignet ist. Doch einige Details erschließen sich erst bei intensiverer Beschäftigung. Dies gilt ebenso für die Texte. Bei Deutsch besteht im Metal-Bereich immer gleich die Befürchtung, es könne platt oder peinlich sein. Keine Sorge, bei Act Of Creation ist das nicht der Fall. Beispielsweise "Erde brennt": Hier rächt sich die Erde an den Menschen, zerstört sie mit sich »Die Hitze der Sonne eingefangen auf diesem Planeten / ich brenne - doch du brennst mit«. Ebenfalls sehr gelungen die Passage aus "Tagtraum" (musikalisch und textlich) »Ich lebe meinen Tagtraum / Ich flüchte nach Thion - in eine Welt die mir gefällt /Ruhe über Zorn, Ehre über Hass / Stärke über Angst und: Demut über Hochmut!«

Vorgetragen werden die Lyrics genretypisch brüllend/growlend, auch mal mit 'Sprechgesang'. Wobei hier sogar gleich zwei Bandmitglieder für die 'Stimme' verantwortlich sind. Klar, diese Art Vocals sind und waren schon immer Geschmackssache, passen hier jedoch gut. Erwartungsgemäß gefallen mir die Growls am besten…gerade wenn das Tempo der Musik gedrosselt wird und sie sich daran anpassen. Das könnte gerne noch ausgebaut werden beim nächsten Mal. Act Of Creation sind am stärksten, wenn sie auf Variation setzen und damit verschiedene Emotionen darstellen. Das gelingt ihnen recht gut. Unterstützt wird das Ganze durch eine gelungene Produktion (im bandeigenen Studio), nicht zu dünn, aber auch nicht zu überzogen/zugeballert, dennoch aggressiv, mit bratenden Gitarren und hämmernder Rhythmussektion. Immer wieder lobenswert, dass Untergrund-Bands das mittlerweile durchaus gut hinbekommen.

Lohnt sich also die Reise nach "Thion"?
Unter gewissen Voraussetzungen: Man sollte keine Südsee-Sonne-Strand-Entspannungs-Szenarien erwarten, sondern eine Welt voller Zorn, Schmerz und Sehnsucht. Wer Auseinandersetzung mit inneren Dämonen durchleben will und zudem Melodic Death/Thrash mag, bekommt hier einiges geboten.
»In diesem Sinne…die Dunkelheit… erwartet euch in Thion…«